Wer war Judas Iskariot?

Als Vorname ist Judas in Deutschland verboten. Kein Kind darf so genannt und auf den Vornamen Judas getauft werden. Das deutsche Namensgebungsgesetz verbietet diesen Vornamen zum Schutze des Kindswohls (Fenske, 2000, 66). Der Bilderspeicher des Gedächtnisses ruft bei den Anhängerinnen und Anhängern und Verächterinnen und Verächtern der Religion gleichermaßen sofort eine Szene auf: den Judaskuss, mit dem Judas den anrückenden römischen Soldaten den Mann Jesus von Nazaret, den er verraten hatte, kenntlich macht. Judas gilt als Prototyp des Verräters, als Denunziant schlechthin. Noch heute schafft es der Name auf Buchcover, wenn von Denunziation die Rede ist, etwa die Denunziation von Juden durch Frauen im Dritten Reich (Schubert, 1990) oder von Denunziantinnen und Denunzianten in der ehemaligen DDR (Lahann, 1994). Aber auch das gibt es: der Schauspieler Ben Becker lockt 2018 mit seinem Soloauftritt „Judas“, der sich an einen Text von Walter Jens „Verteidigungsrede des Judas Ischariot“ (Jens, 1975) anlehnt, über 1300 Zuschauerinnen und Zuschauer und Zuhörerinnen und Zuhörer in den Hamburger Michel und wird mit stehenden Ovationen gefeiert. Die Figur fasziniert offenbar. Die Akten sind nicht geschlossen.

Ist Judas ein Verräter, der das Vertrauen, das Jesus von Nazaret ihm geschenkt hat, missbraucht? Ist er eine tragische Figur, die Gott in seinem Heilsplan einsetzt, damit die Erlösung des sündigen Menschen auf Touren kommt? Ist er also Erfüllungsgehilfe Gottes und damit auch Jesu? Ein gehorsamer Verräter? Oder ist er eher ein enttäuschter Liebender, der eine Gefühlsumwandlung erlebt: zunächst fasziniert, dann, als seine Hoffnungen sich nicht erfüllen, ernüchtert, wütend, schließlich hassend? Ist das Motiv für sein Handeln doch nur die schnöde Geldgier? Wie ist sein Tod zu deuten? Eine wirkmächtige Tradition spricht von Selbstmord. Schämt Judas sich final für seine Tat? Sieht er keinen anderen Ausweg, um mit seiner Schuld umzugehen? Und: Ist die Judasfigur nicht eine Belastung für den jüdisch-christlichen Dialog? In der Tradition seit Augustin, bekräftigt durch den Augustinermönch Luther, steht der Gottesverräter Judas pars pro toto für die Juden. Petrus hingegen, der Verleugner Christi, dessen von Reue getriebenes Weinen über seine mehrfache Lüge, Jesus nicht zu kennen, zur Wiedereinsetzung in das Amt führt, steht für die Kirche. Judas contra Petrus also? Diese polemische und moralisch wertende Gegenüberstellung besaß großes antisemitisches Potential und wurde entsprechend im Nationalsozialismus ausgeschlachtet. 

https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/wirelex/sachwort/anzeigen/details/judas-iskariot-bibeldidaktisch/ch/b0f50d5c554777d1c4caefc7568386aa/

„Glaube nicht, es muss so sein, weil es so ist und immer so war. Unmöglichkeiten sind Ausflüchte steriler Gehirne. Schaffe Möglichkeiten.“ (Hedwig Dohm)
und lass sie wirklich werden.  Aber man braucht ’ne Hebamme, die sie zur Welt bringt. 

Malen mit Licht, Wahr-nehmen  der Wirklichkeit, Farben sehen, Formen erkennen  und Geschichten erzählen.